Open-Source-Apps direkt im Browser nutzen – ganz ohne Installation

In den letzten Jahren ist eine neue Generation browserbasierter Open-Source-Apps entstanden. Viele davon bieten öffentlich zugängliche Instanzen, die sofort genutzt werden können – ohne Installation, ohne Registrierungspflicht und oft sogar ohne Datenabgabe. Einige lassen sich später auch selbst hosten, doch im Fokus dieses Artikels stehen Tools, die man einfach im Browser öffnen und direkt produktiv einsetzen kann

1. ONLYOFFICE DocSpace – Kollaboratives Arbeiten auf Office-Niveau
https://www.onlyoffice.com/

ONLYOFFICE zählt zu den umfangreichsten Open-Source-Office-Suiten überhaupt und ist besonders beliebt bei Nutzer:innen, die großen Wert auf Kompatibilität mit Microsoft Office legen. Neben Desktop-Anwendungen und Integrationen (z. B. in Nextcloud) bietet ONLYOFFICE mit DocSpace eine vollständig webbasierte Kollaborationsplattform.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Cloud-Laufwerken: DocSpace arbeitet raum-basiert. Dokumente werden in sogenannten „Räumen“ organisiert, in die gezielt Personen eingeladen werden können – mit fein steuerbaren Zugriffsrechten. Es gibt Räume für Teamarbeit, öffentliche Freigaben, Formularprozesse oder auch private Räume mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für besonders sensible Inhalte.

Für Teams, Organisationen oder Bildungseinrichtungen ist DocSpace eine ernsthafte Open-Source-Alternative zu Google Workspace oder Microsoft 365.

2. OpenCut – Open-Source-Videoeditor als CapCut-Alternative
https://opencut.app/

OpenCut ist ein noch junges, aber äußerst spannendes Projekt: ein komplett browserbasierter Videoeditor, der sich klar als Open-Source-Alternative zu CapCut positioniert. Ziel ist es zu zeigen, dass moderne Videobearbeitung weder eine schwere Desktop-App noch ein Abo-Modell benötigt.

Die Bedienung erfolgt über eine klassische Timeline, die bewusst einfach gehalten ist. Dadurch können auch Einsteiger:innen schnell loslegen. Besonders bemerkenswert: Alle Videos werden lokal im Browser verarbeitet. Es findet kein Upload auf Server statt – ein großer Pluspunkt in Sachen Datenschutz und Kontrolle über die eigenen Inhalte.

OpenCut befindet sich noch in der Entwicklung. Basisfunktionen wie Vorschau und Export sind vorhanden, fortgeschrittene Effekte, Texte oder Übergänge folgen schrittweise. Trotzdem ist das Projekt bereits jetzt einen Blick wert.

3. CryptPad – Verschlüsselte Online-Zusammenarbeit aus Europa
https://cryptpad.fr/

CryptPad ist eine vollständig webbasierte Office- und Kollaborationsplattform mit einem klaren Fokus auf Datenschutz und Sicherheit. Alle Inhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sodass selbst der Serverbetreiber keinen Zugriff auf die Daten hat.

Ein interessantes Konzept ist die Trennung zwischen dem sogenannten CryptDrive und den eigentlichen Dokumenten-Editoren. Dateien können bearbeitet werden, ohne automatisch gespeichert zu werden – ideal für temporäre Zusammenarbeit oder sensible Inhalte.

Zum Funktionsumfang gehören Textdokumente, Tabellen, Präsentationen, Kanban-Boards, Formulare, ein Code-Editor, Markdown-Slides und vieles mehr. Anders als bei Nextcloud nutzt CryptPad eine eigene, vollständig integrierte Office-Engine.

Gehostet wird CryptPad in Frankreich – ein zusätzlicher Vertrauensfaktor für europäische Nutzer:innen.

4. DocuSeal – Digitale Signaturen mit Open Source
https://docuseal.com/

Digitale Signaturen gelten oft als Domäne teurer Business-Software. DocuSeal beweist, dass es auch anders geht. Die Open-Source-Plattform ermöglicht das Erstellen, Versenden und Unterzeichnen von Dokumenten – direkt im Browser.

Dokumente können vorbereitet, per E-Mail zur Signatur verschickt und anschließend heruntergeladen werden. Der kostenlose Cloud-Plan erlaubt unbegrenzte Dokumente, ist jedoch auf 10 Signaturanfragen per E-Mail und Monat begrenzt. Für viele Einzelpersonen oder kleine Organisationen reicht das völlig aus.

DocuSeal ist technisch ausgereift, optisch modern und eignet sich sowohl für private als auch geschäftliche Nutzung. Wer maximale Kontrolle möchte, kann die Software auch selbst hosten.

5. Excalidraw – Skizzen, Diagramme und Wireframes mit Stil
https://excalidraw.com/

Excalidraw ist ein leichtgewichtiges, browserbasiertes Whiteboard-Tool für Skizzen, Diagramme und Wireframes. Der charakteristische handgezeichnete Stil sorgt dafür, dass Inhalte freundlich und verständlich wirken – auch ohne grafische Perfektion.

Standardmäßig werden Zeichnungen lokal im Browser gespeichert. Beim Teilen unterstützt Excalidraw Ende-zu-Ende-verschlüsselte Sessions, was es ideal für kollaboratives Arbeiten macht.

Wichtig zu wissen: Beim Selbsthosting steht aktuell nur der Editor selbst zur Verfügung. Funktionen wie Sharing oder Echtzeit-Zusammenarbeit laufen über die offizielle Infrastruktur bzw. Excalidraw+.

6. Jitsi Meet – Videokonferenzen ohne Lock-in
https://jitsi.org/meet/

Jitsi Meet ist eine der bekanntesten Open-Source-Alternativen zu Zoom. Die Plattform basiert auf offenen Standards wie WebRTC und bietet alles, was man von einem modernen Videokonferenz-Tool erwartet: Bildschirmfreigabe, Chat, Umfragen, Reaktionen, Handheben, virtuelle Hintergründe und Geräuschunterdrückung.

Die öffentliche Instanz ist frei nutzbar und eignet sich hervorragend für spontane Meetings oder 1-zu-1-Gespräche. Räume sind grundsätzlich offen, weshalb sich für sensible Meetings ein schwer zu erratender Raumname oder ein nachträgliches Passwort empfiehlt.

Für Organisationen gibt es auch professionelle Hosting-Angebote oder die Möglichkeit zum Selbstbetrieb.

7. Squoosh – Bilder optimieren direkt im Browser
https://squoosh.app/

Squoosh ist eines der besten Tools zur Bildoptimierung, das komplett im Browser läuft. Unterstützt werden gängige Formate wie JPEG, PNG, WEBP und AVIF. Besonders praktisch ist der direkte Vorher-Nachher-Vergleich mit Zoom-Funktion.

Alle Berechnungen erfolgen lokal auf dem eigenen Gerät, was Squoosh schnell und datenschutzfreundlich macht. Innerhalb weniger Minuten lassen sich Bilder deutlich verkleinern – ideal für Webprojekte oder Social Media.

Ein kleiner Hinweis: Squoosh nutzt Google Analytics für anonyme Nutzungsstatistiken, da es ein Google-Projekt ist.

Fazit

Open Source im Browser ist längst kein Experiment mehr, sondern eine echte Alternative zu proprietären Cloud-Diensten. Die hier vorgestellten Tools zeigen eindrucksvoll, dass Datenschutz, Offenheit und Benutzerfreundlichkeit kein Widerspruch sein müssen.

Alles, was man braucht, ist ein moderner Webbrowser – und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.

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